Daten

Die Unterscheidung zwischen symbolischer Datenverarbeitung / symbolischen Daten einerseits und analoger Datenverarbeitung / analogen Daten andererseits halte ich für wichtig und ist in der folgenden Tabelle zusammen gefasst.

Eigenschaften
symbolischer Daten analoger Daten
es gibt kleinste Einheiten (Alphabet) kleinste Einheiten unbekannt
keine Individualität individuell
beliebig manipulierbar Naturgesetze beschränken Manipulationen
makroskopische Mengen von Zeichen sind mit vernachlässigbarem Zeit- und Energieaufwand manipulierbar je fundamentaler die Ebene ist, auf der manipuliert werden soll, desto höher ist der Zeit- und Energieaufwand

Digitale Datenverarbeitung ist symbolische Datenverarbeitung über dem Alphabet {0,1}, wo die physische Darstellung elektronisch geschieht. In diesem Fall werden die kleinsten Einheiten Bits genannt.

Analoge Daten haben Tiefe, die sich der willkürlichen Manipulation entzieht. Digitale Daten, als menschliche Artefakte, unterliegen prinzipiell der menschlichen Willkür. Denn gibt es ein größeres Maß an Kontrolle, als Schöpfer einer Sache zu sein?

Die Naturgesetze liefern für analoge Daten gratis ein Bündel an „no-go’s“, wodurch eine sinnvolle Interpretation und Kommunikation erst ermöglicht wird. Um auf digitalen Daten eine willkürfreie Interpretation und Kommunikation aufbauen zu können, ist die Fähigkeit entscheidend die möglichen Operationen und Zustände einschränken zu können.

An dem folgenden Beispiel aus der Alltagswelt möchte ich den Unterschied zwischen symbolischen und analogen Daten weiter erläutern:

Angenommen einem Richter wird von zwei Parteien je ein handschriftliches Testament vorgelegt, die unterschiedlichen Inhalt haben und von denen beide Parteien behaupten, daß das ihrige den wahren letzten Willen des Verstorbenen darstellt.

Wie kann nun entschieden werden, welches das gültige Testament ist?
Dabei wird angenommen, daß beide Testamente klar geschrieben sind. D.h. alle drei Beteiligte sind sich einig ob da jeweils ein „a“, „o“ oder sonstwas steht. Auch wird von dem Urteil des Richters eine gewisse allgemeine Akzeptanz erwartet. Willkür oder ein Münzwurf als Entscheidungsmittel scheiden also aus.

Man könnte z.B. die Wortwahl und den Satzbau untersuchen, ob sie korrekt sind und den Gepflogenheiten des Verstorbenen entsprechen. Man könnte die Inhalte der Testamente mit der Wirklichkeit des Verstorbenen abgleichen, ob sie zueinander passen. Beide Methoden liegen auf der symbolischen Ebene, es wird symbolische Datenverarbeitung betrieben. Auf der symbolischen Ebene gibt es nur endlich viele, diskrete Symbole, die die Daten bilden. In diesem Sinne sind die Zeichen „a„,  „a“ und „ba“ gleichwertig, also ununterscheidbar.

Weiterhin kann die Kurvigkeit der Zeichen, Fingerabdrücke und DNA-Spuren auf dem Papier, Isotopenverhältnisse von Tinte und Papier usw. zur Untersuchung herangezogen werden. Diese Untersuchungsmethoden liegen auf der analogen Ebene, es wird analoge Datenverarbeitung betrieben. In diesem Sinne sind die Zeichen „a„, „a“ und „ba“  verschieden. Die Vielfalt der möglichen Untersuchungsparameter, die ja zum Erstellungszeitpunkt noch unbekannt sein könnten, stellen für den Fälscher immer ein Risiko dar und sind eine Eigenart der analogen Ebene. Die modernen Methoden der DNA-Analyse z.B. machen heute Spuren nutzbar, die vor zwanzig Jahren noch unsichtbar waren.

Digitale Datenverarbeitung ist symbolische Datenverarbeitung mit den Symbolen {0,1}. In der EDV sind nun alle Technologien daraufhin ausgelegt die symbolische Ebene von ihrer analogen Trägerschicht unabhängig zu machen. Es macht eben in der digitalen Datenverarbeitung keinen Unterschied ob der MP3-Song auf verschiedenen physischen Medien gespeichert wird wie z.B. einer Festplatte, einer SSD oder einer CD. Oftmals werden die Symbole nur durch Anregungszustände realisiert. Die analoge Trägerschicht gleicht in diesem Fall eher einem Blatt Papier auf dem ständig durchgestrichen, radiert und wieder neu geschrieben wird und eignet sich nur unter Zusatzannahmen als Beweismittel. Die durch die Digitaltechnik bewirkte Abstraktion der Symbole „0“ und „1“ von ihrer analogen Trägerschicht wird an vielen Stellen soweit genutzt, daß diese für eine Beweisführung im obigen Sinn unbrauchbar wird. Speichersysteme, die einen Austausch der Festplatten im laufenden Betrieb, also ohne Funktionseinschränkung, gewährleisten, erklären die analoge Trägerschicht ja von Anfang an als bedeutungslos.